G1000 Simulator

G1000 Sim: Ein Erfahrungsbericht

von Ute M. Koglin











Teil 1

Also, nun sitz ich vor dem SIMiONIC Bezel für den Garmin G1000 Simulator (PFD/MFD) und will vom Couchtisch aus fliegen. Komisches Gefühl, die Optik erfordert Motorengeräusche die durch Nachbars Rasenmäher nur sehr unzureichend ersetzt werden. Es riecht auch nicht nach Diesel oder Hangar sondern noch den Bratwürsten aus der Küche.

Ich fange also an, jeden Knopf zu drücken, der mir unterkommt und versuche auf dem Bildschirm nachzuvollziehen, was da so passiert. Nach und nach stellt sich das Cockpitgefühl ein und es wird einfacher. Ja klar, der kleine Knopf ist für die Nachkommazahlen. Logisch.

Die Anleitung liegt neben mir, ich stelle aber schnell fest, dass es recht langweilig ist, sich Seite für Seite da durchzukämpfen und spiele weiter.

Ein Flugplan ist schnell eingegeben, einige Hindernisse wie CLR statt STORE sind auch recht fix überwunden. Zeit spielt hier nicht die Rolle. Ich muss nirgends ankommen. Niemand wartet.

Oehna – Schöenfeld – Schönhagen. Da der SIMiONIC Bezel in Echtzeit fliegt habe ich mir kurze Strecken ausgesucht. Eigentlich wollte ich in EDAZ starten – aus reiner Gewohnheit - irgendwie haben sich beim optimistischen Drücken sämtlicher verfügbarer Knöpfe dann aber die Waypoints vertauscht und so fliege ich nun aus lauter Faulheit von EDBO über EDDB nach EDAZ.

Der Start. Nichts für schwache Nerven. Altitude eigentlich 2.000 Fuß. Ich bewege die Throttle Control nach oben (sie befindet sich über die Geschwindigkeitsanzeige) und Zack: Steigrate 6.000 Fuß pro Minute. Recht fix bin ich bei 5.000 Fuß und der Autopilot gibt Meldung, Meldung, Meldung. ZU VIEL, also Throttle wieder nach unten. Fluggeschwindigkeit 48 Knoten, Throttle also wieder hoch. Zum Glück sitze ich auf der Couch. Der Puls ging trotzdem kurz dem Throttle hinterher.

Endlich geht es bei feinen 124 Knoten Richtung EDDB. Und vom Übermut gepackt drücke ich nun NAV. Schließlich habe ich ja brav KLF als Orientierungspunkt eingetragen. Und sofort fliegen wir in die gewünschte Richtung. Angekommen, stehen wir in der Luft. Das dürfte wohl die erste DA 40 sein, die ihre horizontale und vertikale Position im Flug hält. Richtig, also weiter und das Leg nach EDDB aktivieren.

Inzwischen sind wir in EDDB angekommen. Überflug. Und weiter nach EDAZ. Activate Leg? Na klar ….

Teil 2

Dann löschen wir doch auch gleich mal EDBO. Die Frage lautet 'Remove' or 'Cancel', also wähle ich 'Cancel' und wunder mich warum nichts passiert. Es hätte geholfen die Frage gleich am Anfang zu lesen. Der Flugplan ist nun gelöscht. 'Direct To' klappt super. Und weil es der Maschine nicht weh tut fliege ich mit 170 Koten auf 2.000 Fuß nach EDAZ. Aber nur drüber. Schließlich ist noch einiges zu probieren. Also erst mal Altitude Select auf 4.000 Fuß und Nose Up. Steigrate bei der Geschwindigkeit sagenhaft. Und wieder zurück mit Nose Down.

Nach Heading fliegen ist einfach. Es reagiert sofort. Natürlich fliege ich kreuz und quer. Und beim Check des INSET stelle ich fest, ich bin in EPSD (Stettin). Irgendwie habe ich ziemlich Strecke gemacht. Gut so, mehr Zeit für mehr Knöpfe.

Als erstes stelle ich über FLC die Geschwindigkeit auf 165 Knoten. Dann übe ich mit VS vernünftige Steigraten einzustellen. Altitude Select auf 4.000 Fuß, VS Nose Up, so lange bis ich eine nette Steigrate von 600 Fuß pro Minute erreicht habe und schon sind wir da. Zurück genauso nur eben Nose Down.

Und so fliege ich noch eine gute Stunde weiter und sehe was passiert. Verändere Konfigurationen, suche VORs, und freu mich, das alles so schön funktioniert.

SIMiONIC Bezel lässt sich auch mit einem zweiten iPad verbinden. Schon hat man beide Bildschirme zur Ansicht und die Übungen werden noch weniger abstrakt.

SIMiONIC Bezel ist extrem hilfreich. Man kann üben, spielen, prüfen, Fehler machen und korrigieren, sich mit der Bedienung des G1000 in jeder gewünschten Tiefe (VFR, IFR und Autopilot Garmin GFC 700) vertraut machen und muss dabei nicht auf fehlende Spannung, Kontrollzonen, Verkehr und Regeln achten.

Es hilft Zeit und Ruhe zu haben und erst mal zu überlegen, was man üben will, und dann zu starten. Die gewünschte Übung fliegt sich dann leichter ab und das Erfolgserlebnis ist größer. Will man die Übung vertiefen, fliegt man einfach noch mal.

Wer die Bedienungsanleitung des Garmin G1000 hat sollte diese auf jeden Fall nutzen. Je länger man fliegt, desto hilfreicher (und weniger langweilig) wird sie.

Leider muss ich den SIMiONIC Bezel am Wochenende zurückgeben, meine Testzeit ist abgelaufen. Aber ich freu mich schon auf das nächste verregnete Wochenende und Flugstunden am Couchtisch.