Nachtflugausbildung

Winter 2016

Motivation

Ich kann mir gut vorstellen, dass die meisten Privatpiloten bereits nachts als Passagier mit einem großen Airliner gestartet oder gelandet sind. Die Lichter der Rollwege und der Piste sind als Fluggast schon beeindruckend. Zur meiner Motivation muss ich wohl wenig sagen. Es ist die Begeisterung an der Fliegerei, die mich zu diesem Schritt bewogen hat.

Zum anderen spielt aber auch der Faktor „Sicherheit“ eine große Rolle für mich. So ist man mit einer Nachtflugberechtigung vorbereitet, sollte man außerplanmäßig bei Dämmerung oder Dunkelheit landen müssen. Zudem fliegt man mal wieder ein paar Stunden mit einem Fluglehrer (bei mir Paolo), der einem wertvolle fliegerische Hinweise und Tipps geben kann.

Ablauf der Ausbildung

Es empfiehlt sich nach der Zeitumstellung auf Winterzeit mit der Nachtflugausbildung zu beginnen. Die bürgerliche Dämmerung und die Nacht setzen immer früher ein, sodass man bereits am späten Nachmittag zum Flugplatz fahren kann. Der Flugplatz in Schönhagen hat auch im Winter ausreichend lang geöffnet, sodass man auf die Gebühren für die Sonderabfertigung durchaus verzichten kann.

Die ersten Flüge der Ausbildung fanden zunächst bei Dämmerung statt. So konnte ich ein paar Platzrunden unter weitestgehend bekannten Bedingungen fliegen. Mit zunehmender Dämmerung verschwanden bekannte Bezugspunkte und ich musste mir neue beleuchtete Punkte suchen. Den fließenden Übergang von Dämmerung zur Nacht empfand ich bei der ersten praktischen Ausbildungseinheit als sehr angenehm. Man wird so nicht abrupt mit dem Thema „Dunkelheit“ konfrontiert.

Bei der zweiten praktischen Ausbildungseinheit wurde ein Streckenflug mit detaillierter Flugplanung und Vorbereitung durchgeführt. Dazu sind wir von Schönhagen (EDAZ) nach Dessau (EDAD) geflogen. Dabei stellte sich das Auffinden eines fremden Flugplatzes bei Dunkelheit schwieriger heraus, als ich erwartet hatte. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn es sich um eine gerichtete Bahnbeleuchtung handelt. Es empfiehlt sich zunächst, den Platz über Platzrundenhöhe mittig zu überfliegen, um sich so besser orientieren zu können. Auf dem Rückflug nach EDAZ wurden dann noch ein paar Übungen u. a. mit einem VOR durchgeführt.

Bei der dritten Einheit flogen wir ausschließlich Platzrunden bei Dunkelheit. Mit zunehmender Anzahl an Platzrunden konnte ich feststellen, wie ich mich immer besser an die neuen Gegebenheiten gewöhnte. Die Genauigkeit in der Platzrunde sowie die Landungen wurden immer besser.

In der letzten praktischen Einheit standen die 5 Solo-Platzrunden (Full-Stop-Landings) auf dem Plan. Zunächst flog ich gemeinsam mit Paolo ein paar Platzrunden, um sicherzustellen, dass ich fit war. Nach den 5 Solo-Platzrunden war die praktische Ausbildung beendet, da ich die 5 vorgeschriebenen Flugstunden (Blockzeit) bereits mehr als erfüllt hatte.

Die praktische Ausbildung wurde mit entsprechend aufbereiteter Theorie unterstützt. In den knapp 3 Stunden wurde insbesondere auf die Besonderheiten bei Nacht (Sehen) und die Wetterthematik eingegangen. Es empfiehlt sich vor Beginn der Ausbildung mit dem Thema Nebel und den Nebelarten zu beschäftigen, da dies bei Dunkelheit besonders wichtig ist.

Meine Erlebnisse und Eindrücke

Die Dunkelheit hat mich bei meinem ersten Flug schon überrascht. Es dauert seine Zeit, bis ich mich an die Nacht und die neuen Bezugspunkte gewöhnt hatte und mich orientieren konnte. Ich denke es kann nicht schaden einen fremden Flugplatz nach Möglichkeit zunächst bei Tageslicht anzufliegen und insbesondere auf Hindernisse zu achten. Bei Dunkelheit kann man sich leicht beim Abschätzen der Entfernung täuschen und flacher anfliegen, als man eigentlich denkt.

Michael, den wir als Gast beim zweiten Termin mitnahmen, war total überrascht wie dunkel es war und meinte, dass er überhaupt nichts sehen würde. Michael ist ebenfalls Pilot und denkt über eine Nachtflugausbildung nach.

Während der Flugvorbereitung empfiehlt es sich, die Beleuchtung im Innenraum (PFD, MFD, Instrumenten, Flood) auf ein Minimum zu reduzieren. So lässt sich die Umgebung während des Fluges besser erkennen. Die Taschenlampe sollte nicht zu hell sein, damit man sich und ggf. den Copiloten während des Fluges nicht blendet.

Auch wenn der Fluglehrer vorher darauf hinweist, dass man bei der Landung rechtzeitig mit dem Abfangen beginnen soll und nicht auf die Schwelle sondern während des Ausschwebens ans Bahnende schauen soll, muss man dies einige Male selbst erlebt haben, um es wirklich zu verinnerlichen. Zudem darf man sich nicht durch eine helle Schwelle blenden und irritieren lassen. Man sollte eine helle Schwelle nicht fokussieren, da es sonst zu einer Fehleinschätzung der Höhe kommen könnte und man zu spät mit dem Abfangen beginnt (Bugradlandung). Eine Landung bei Dunkelheit unterscheidet sich somit schon von einer Landung bei Tageslicht. Ich wiederhole mich da gern: rechtzeitiges Abfangen sowie beim Ausschweben ans Bahnende schauen sind extrem wichtig!

Als hilfreich in der Ausbildung empfand ich den Anflug mit PAPI (Precision Approach Path Indicator), was in Schönhagen aufgrund der Hindernisse auch notwendig ist. Sobald man drei rote Lampen und eine weiße Lampe sieht, sollte man umgehen die Leistung deutlich erhöhen und die Sinkrate verringern bzw. leicht steigen, bis man wieder zwei rote und zwei weiße Lampen sieht und auf dem richtigen Gleitpfad ist.

Nacht ist auch nicht gleich Nacht. Bei wolkenlosen Nächten mit Mondschein lässt sich recht viel erkennen. Dies nimmt mit Bewölkung und / oder fehlendem Mond deutlich ab. Ich hatte das Glück bei meiner Ausbildung die unterschiedlichsten Wetterbedingungen zu erleben. Bei meinem Streckenflug herrschten mit Windstille, wolkenlosem Himmel und Mondschein beste Bedingungen. Im Kontrast dazu hatten wir an einem anderen Tag sehr schlechte Wetter- / Windbedingungen, sodass wir nach einer Platzrunde abbrachen. Der Wind am Boden war um die 15 kt und in 3.000 ft über 40 kt. Eine ausführliche Wetterbeobachtung und Flugplanung ist nachts zwingend notwendig. Man darf den Wind und möglichen Nebel keinesfalls unterschätzen.

Falls möglich, bietet es sich nachts an mit einem verlängerten Endteil anzufliegen. So hat man genügend Zeit auf das PAPI, die Geschwindigkeit, die Sinkrate und die Bahnmitte zu achten.

Ich denke es ist sinnvoll, die praktische Ausbildung auf mehrere Termine aufzuteilen. So konnte ich mein Erlebtes zwischen den Terminen verarbeiten und beim nächsten Mal anwenden.

Für die Bestimmung der Uhrzeit für Dämmerung und Nacht habe ich die Android App „LunaSolCal“ verwendet, siehe:

Da ich nicht ständig bei Dunkelheit fliegen werde, habe ich mir nach der Ausbildung eine zusätzliche Checkliste für Nachtflüge erstellt. Dort stehen u. a. folgende Punkte drauf: ausgiebige Wettervorbereitung und Flugplanung, Flugplan aufgeben, Taschenlampe nicht vergessen, an Positionslichter denken, Landing-Lights rechtzeitig ein- und ausschalten, auf PAPI achten und entsprechend reagieren, rechtzeitig mit dem Abfangen beginnen, beim Ausschweben ans Ende der Bahn schauen!

Abschließend kann ich nur sagen, dass es einfach ein super Erlebnis ist, bei Dunkelheit auf einer befeuerten Piste zu landen! Da fühlt man sich schon fast wie ein Airliner ;-)

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